Hallo Blinde Passagiere
Kultur und Kreta, viel gehoert, schon beim
Lesen Faszination. Etliche Monde zurueck, ca. 6000 v. Chr. die ersten Toepfe
und ab 2000 v. Chr. Palastzeiten. Goetter, kein geringerer als Zeus wurde auf
Kreta geboren. Deswegen war ich unter anderem am 2.09 hier in Kato Zakros
angelandet.
Nun, die Bucht war ehemals Flottenstuetzpunkt und Handelshafen der Minoer. Davon
ist nichts mehr zu spueren. Badende, nicht all zu viele, belebten das 27° warme
Wasser. Direkt hinter der Bucht steht man vor beachtlichen Resten eines Palastes
aus minoischer Zeit, 1500 v. Chr. Im Hinterland von Kato Zakros gibt's ein Tal
der Toten mit Graebern und Hoehlen aus verschiedenen Epochen. Verwoehnt von
tuerkischen Kulturueberbleibsel, finde ich im Prinzip, nicht mehr so viel an
griechischen Resten.
Ich sollte mich spaeter, eines Besseren belehren lassen.
So schoen es hier auch war, der staendige Wind ging mir auf den Wecker. Nicht
ungelegen kam mir da ein Anruf aus Chania (Nordosten v. Kreta), Dieter
war dran. Sie wollten auf der Nordseite gegen Osten fahren. Sie, das waren Dieter
mit seiner "Shehu" und Ewald mit "Femia", beide auch Einhandsegler und da ich
nichts Besseres vorhatte, wollte ich ihnen entgegensegeln. Was sind schon 140
Nm, laenger ist die Insel nicht.
Wie ich es am liebsten habe, aufstehen 1 Std. vor Sonnenaufgang, fruehstuecken,
Boot aufklaren und auf geht es. So segeln wir, die "naja" und ich, bei ablandigen
Wind in den Morgen hinein. Vorbei an einer voll von der aufgehenden Sonne bestrahlten
Ostkueste. Das erste Stueck voellig frei von Haeusern, Hotels, ja voellig unbewohnt.
Ein mittelgrosser Frachter lag in einer Bucht vor Anker. Sogleich werde ich
stutzig, wieso liegt der denn da? Weiss er mehr als ich, vom Wetter? Den Wetterverlauf
konnte ich die letzten Tage nicht so recht verfolgen. Einmal wegen des Schwerwettersegelns,
andererseits wegen schlechtem Empfang in der Bucht.
Vorbei zog Plaka, voraus Inseln die der Nordostspitze vor gelagert sind,
die ich noch runden will. Dem Cap nun sehr nahe sehe ich schon: Mehr Wind, hoehere
Wellen, verdammt schon wieder Knochenarbeit!
Nein es war nur die uebliche Windbeschleunigung an einen Cap und weiter ging
es in die grosse Bucht, Ormos Sitia. Der Wind legte zu, die "naja" pfluegt
mit 5 - 6 Knoten die Kueste entlang.
An Land wird im Tagebau maechtig an dem Cap gewergelt. All zu lange koennen
die Huegel den Maschinen wahrscheinlich nicht Futter geben. Verschwunden sein
werden herrliche Buchten und Huegelchen, aber noch ist es nicht so weit. Ein
maechtiger Zaun, der das Cap von der Insel trend, haelt die Maschinen, oder
Umweltschuetzer im Zaum.
Ab dem Zaun, Natur pur und mitten drin eine schoene Stadt, deren Namen ich auf
der Karte nicht fand. Einen Hafen hatte sie auch nicht, spaeter erfuhr ich,
es waere eine deutsche Enklave. Eine hohe Mauer umgab Sie, die mit Kameras und
Hundestreifen gesicherte Wohnanlage. Einheimische erzaehlten dies, viel mehr
wussten sie auch nicht. So kann man sich taeuschen.
In der Ferne eine Hafenanlage, war das schon Sitia?
An Backbord Richtung Strand sah ich ein rotes Schlauchboot in ca. 1 ½ Meilen
entfernt starten. Voraus konnte ich immer mehr Details im und um den Hafen erkennen,
es konnte nur Sitia sein.
Die Beschreibung aus einem Reisefuehrer: Agrar-Hafen, Tourismus, untergeordnete
Bedeutung. Dort andocken, irgendwie , so kam es mir vor, wuerde ich mein gutes
Geld verschwenden Kurz entschlossen nahm ich Kurs 360° um spaeter zwei Buchten
weiter westlich zu ankern.
Das rote Schlauchboot das ich vorhin starten sah, war nun ploetzlich neben mir.
Darin Taucher die sich ganz angeregt unterhielten und immer in mein Rigg deuteten.
Einer deutete mir und zeigte mir seinen erhobenen Daumen schuettelte die Faust
und konnte sich gar nicht mehr fangen mit Gebaerdensprache die "naja" zu loben.
Ploetzlich steckten sie die Koepfe zusammen, einer kramte in einer Kiste, holten
einen Fisch heraus, etwa gute 50 cm lang und gaben ihn mir gekonnt herueber,
ich stand Backbord Mittschiffs, wobei sich die "naja" in voller Fahrt befand.
Eine einwandfreie Uebergabe, mit viel winken, grinsen und lachen drehten sie
ab und entfernten sich rasch in Richtung Hafen.
Das war also kretanische Begruessung, Gastfreundschaft wie auch immer. Kreta
gefiel mir. 2 Std. spaeter lag ich hinter einer sichelfoermigen Halbinsel,die
mich gegen SO-W-N-Winde schuetzen wuerde.
Mittlerweile blies es mit einen guten 5. aber die Abdeckung war gut, keine Welle,
nur im Rigg pfiff es ein bisschen. An Land ein Schaefer,der seine Schafe mit
Hunden in einen Pferch trieb, ganz anders als auf dem griechischen Festland,
da arbeiten die Schaefer ohne Hunde. Wetterbericht nicht gerade ermunternd,
6-7 NW da laesst es sich gerade noch ruhig Schlafen. Elektronische Ankerwache
an und ab in die Koje. Die Sonne ist noch nicht da, der Schaefer schon und Wolken
sausen ueber den Strand, hin zu den Bergen und huellen deren Spitzen ein, da
regnet es bestimmt. Morgenroutine, Fernseher an, natuerlich kein Sender da.
Also mit Tasse und Brot raus zum zweiten Fernseher, tatsaechlich da laeuft ein
Programm:
"Schaefer treibt Schafe in die Berge".
Der starke Wind dreht immer mehr in den Norden, Jetzt haben wir NNW. Direkt
aus dem Norden,koennte ich ihn nicht gebrauchen, in der Staerke. Aber schau
ma amoi,was der Wetterbericht sagt, noch sind wir im sicheren Bereich.
Den Wetterbericht den ich auch lesen konnte, der las sich nicht besonders. Was
war zu lesen:
Aegaeis: 04.09.03
Noerdliche Winde um 6 BFT, Zeitweise schwere Sturmboeen, im Suedteil bis 10
BFT, Schauer
FR 05. 12z: NW - N 7 / 10 4,5 M (Wellenhoehe)
SA 06. 00z: N 6 - 7 / 10 3,5 M
SA 06. 12z: NW - N 5 / 7 2 M
Bei diesen Aussichten, wird es Zeit, dass ich den Platz freimache, fuer die
Fische.
Die Vorhersage bezieht sich auf ein Punkt der nicht all zu weit entfernt war,
naehmlich 35 Nm.
Der Tanz konnte beginnen, schon begann es zu daemmern, noch in der Abdeckung
Gross und Arbeitsfock hoch und ab nach Sitia. Wellen, die ungehindert auf die
Steilkueste trafen schossen ueber den obern Rand und wurden verweht. Gut anzusehen,
bei mir ging es Achterbahn maessig auf und ab und mit guten 7 Knoten dahin.
Bei diesen Wetter muss man die Caps mit einen gehoerigen Abstand runden, noch
dazu, wenn das Wasser keine Tiefe hat und Untiefen vorgelagert sind, das war
bei diesen letzten Cap der Fall. An Steuerbord zog, trotz meinem Speed, das
Land nur zaeh vorbei. Ich musste an den mittelgrossen Frachter denken. Der Wetterbericht,
oh ja, er wusste mehr als ich und daher lag er auf der Ostseite im Schutze der
Kueste.
Trotz allem, umso mehr wir nach Osten gut machten, desto mehr Lichter der Bucht
traten aus der Abdeckung hervor und schliesslich war nur noch eine Halse faellig.
Manoever durch gefuehrt, sofort ein anderes Fahrgefuehl, ruhiger, einmal der
Kluever unten, als wolle er das Wasser teilen, das Cockpit oben die Lichter
der gesamten Bucht waren zu sehen, dann wieder der Kluever steil in den Himmel
zeigend, Heck unten, ringsum in Bungalowhoehe Wasserwaende und vor mir all die
Sterne. Unangenehm ist das nicht. Ich tauchte langsam in die Bucht ein, je mehr
Sitia Hafen mir entgegen kam um so ruhiger wurde die See. Rot und Gruen waren
zu sehen, Lichter der Hafeneinfahrt. In den Wind, Segel bergen und anschliessend
zwischen die beiden Lichter gefahren, der Hafen hatte mich.
Hoppla, da ruehrt sich was. Lichter, Menschen und Lokale, Musikfetzen waren
zu hoeren. Da kann man es aushalten, glaube ich und mache neben der Kuestenwache
fest. Ein kurzer Rundgang bestaetigte meinen zweiten Eindruck, freundliche Leute,
egal ob Urlauber od. Einheimische. Irgendwie bedauerte ich, nicht vor zwei Tagen
eingelaufen zu sein, tja der erste Eindruck lies mich weiterfahren.
Tage spaeter, der Sturm hatte sich gelegt. Stadt, Kastell besehen. Im Gasthaus
Sorbas lies ich es mir schmecken, war einer der Schauplaetze des Filmes Alexis
Sorbas. Die Atmosphaere hat mir sehr gefallen.
Spinalonga Lagoon, das naechste Ziel wartete schon, auf gegen den Westen.
Entweder spielen mir die Ohren einen Streich beim abhoeren des Wetterberichtes,
der berichtete: schwachwindig 1-2 BFT S. Was soll`s, den jetzt hatte es 5-6
BFT SW auf halben Wege nach Spinalonga Lagoon. In der Einfahrt zu der Lagoon
liegt die Insel Spinalonga, eine Quarantaenestation fuer Leprakranke aus ganz
Griechenland. Erst als man in den 1950 Jahren einen Impfstoff gegen Lepra gefunden
hat, wurde die Stadion aufgegeben. Die Lagoon mit Wassertiefen zwischen 3 und
7 Metern, trotz der 4-5 BFT fand ich idealen Ankerankergrund. Tourismus total,
man findet alles, positiv, nicht ueberteuert. Milatos, ein kleiner Hafen.
Ein schoenes Segeln, mit ablandigen Winden 2-3 BFT.
| Milatos - Iraklion | Entf. 20 Nm | 1-6 BFT | W |
35 Nm mussten Uebergrund zurueck
gelegt werden, bedingt durch ein ewiges Aufkreuzen. Aus geplanten 4 Std. wurden
endlose 10 Std.
Fahrtensegler sind nicht erwuenscht, der Hafen voll mit Ruderbooten, Fischern
und einigen Sportbooten. Anlegen konnte man nur an der Aussenmole, gebaut fuer
die Grossschifffahrt. Wasserspiegel - Oberkante Kai 2,5m. Die Poller standen
ueber 50 m weit auseinander, "sehr gut" zum Festmachen! Ich war sehr entaeuscht,
keine Dusche und sonst, sowieso nichts. Anlaufstellen wie Hafenpolizei usw.,
die man braucht fuer diverse Stempel, Crewliste und Hafenbebuehren, waren so
gesplittet, dass man einen halben Tag fuer diesen Gang brauchte. Normal eine
Viertelstunde!
Die Stadt selbst, eine riesig Mauer umgibt sie. Im 2 Weltkrieg hat sie schwer
gelitten. Daher stehen nur noch etliche venezianische Haeuser sowie Kirchen
und Moschen. Museen selbstredend jede Menge.
Aber heute ist es der Hauptsitz der Universitaet, das heisst jede menge junge
Menschen und das aus allen Herren Laendern. Es macht Spass durch Fussgaenger
Zonen zu ziehen mit den Straßencafes, Shops und Imbissecken. Am alten Venezianischen
Hafen das Kastell Koules, schon sehenswert.
Dieter und Ewald waren angekommen, etwas gebeutelt vom schlechten Wetter. Sie
hatten viel zu erzaehlen, seid wir uns in Marmaris getrennt hatten. Im Prinzip
hatte Dieter die Nase voll und waere schon am liebsten in Finike. Zu verdenken
war es ihm nicht, denn er hatte das kleinste Boot und musste bei schweren Wetter
schon Stehvermoegen an den Tag legen. Knossos wollten wir alle besichtigen.
Mit dem Bus ging es landeinwaerts, er stoppte zwischen vielen Touristenbuden.
Skeptisch sah ich mich um, war es das schon. Weiter vorn, Richtung Sonne eine
Zahlstelle, also muss es mehr geben. Um es kurz zu machen, es war eines der
schoensten und interessantesten Ausgrabungsstaetten die ich in Griechenland
gesehen habe.
Abgesehen von der normalen Umweltverschmutzung, hier in Heraklion war es schon
extrem. Zirka 2000 m³ undefinierbare schwarze Bruehe, aus dem Industriehafen,
verkapen sie jeden Tag 1-2 Meilen vor der Stadt im Meer. Hier musste ich entscheiden,
ueber meinen urspruenglichen Plan, weiter nach den Pelepones zu segeln oder
rechts abzubiegen um rechtzeitig nach Kos zu kommen um die Steinis zu treffen
bzw. an der Dodecane Regatta teilzunehmen. Fuer Kos sich zu entscheiden, das
war nicht schwer. Schwer war es einzugestehen, dass dieses mal 140 Nm doch nicht
so locker genommen werden koennen.
Somit war Spinalonga Lagoon der naechste, fuer mich schon bekannte, Liegeplatz.
Diesen Abend betaetigte ich mich als Fremdenfuehrer. Tags darauf ging es weiter
nach Agios Nikolaos.
Agios Nikolaos bekannt auch durch den Voulismeni-See mitten im Zentrum.
Die Marina war modern, ist ungepflegt, ja der Kreter unterscheidet sich nicht
wesendlich vom Griechen. Die Stadt selbst gepflegt, die Leute freundlich. Das
Essen preiswert und gut.
In einer Nachtfahrt segelte ich von Agios Nikolaos nach Sitia. Wind 2-3 BFT
NW, es war schon sehr kalt.
Ich, von der Segelfraktion, startete als erster um 0 Uhr 30, da Dieter und Ewald
meist mit Motor fuhren und somit schneller waren als ich.
Sitia, ich haette es umarmen koennen. Komisch, ja ich musste lachen als ich
daran dachte, wie ich das erste mal daran vorbei gefahren bin. Im "Sorbas" erfreute
Gesichter und das andere, Geschaefte, Haeuser, Strassen usw. alles so vertraut.
Ich fuehlte mich wie zu Hause. Im Internet-Cafe flogen die Mails hin und her.
Proviant geladen und dann wieder in den Gassen geschlendert. Aber die Zeit blieb
nicht stehen auch wenn's einem so vorkommt. Ein jeder hat seinen Kurs abgesteckt.
Die beiden wollten ueber Rhodos in die Tuerkei, ich hingegen nach Kos. Laut
Wetterbericht haetten wir ein Wetterfenster am naechsten Tag. Wie es der glueckliche
Zufall so will, der Dieter hatte Geburtstag, er brutzelte ein feines Essen und
Tags darauf trennten wir uns. Sie fuhren in den Osten und ich in den Norden.
Astipalaia war nun mein Ziel, 85 Nm entfernt. Das mit dem Wetterfenster
war kein Flop, angenehme 3-4 BFT W schoben mich ueber die S-Aegaeis. 24 Std.
spaeter war ich dort.
Die Insel war sehr zerklueftet und somit gab es einige gute Ankerplaetze. Hier
traf ich ein Seglerehepaar aus Finike, Englaender die in Richtung Athen segelten
um dort zu ueberwintern.
Kalymnos, eine Hafenstadt, wieder nur ueber Starkwind, sprich gute 6
BFT, zu erreichen. Mir gefaellt die Stadt, ich war des oefteren schon hier und
immer wieder finde ich neues in den verschlungenen Gassen. Guenstig, nur noch
einen Delfinsprung von Kos entfernt.
Kos endlich, hier wo ich eigentlich fit sein wollte, sollte, bin ich
ganz schoen abgeschlafft. Oh oh die Regattawoche, da bin ich aber gespannt:
Am 6.10 beginnt der
| Dodecane Cap |
Pfird eich und Servus
Capt`n Roman