Endlich mal wieder am Stueck ein paar Meilen fressen.
Nun, ich liege in der Moevenbucht vor Anker. Draußen heult der Wind, die Boeen bringen die "Naja" zum Erzittern, der Regen klatscht gegen mein Castel und dann wieder - voellige Ruhe. Das erste Mal in diesem Jahr, dass ich auf der "Naja" Regen bzw. ein Gewitter erlebe.
Nicht unguenstig für meine Blindenpassagiere, da ich nun endlich was niederschreiben kann.
Vor 3 Monaten, mein Schwager, der es in 14 Tage vom Moses bis zum Bootsmann brachte und seine steile Karriere unterbrechen musste , da der Urlaub zu Ende und Pflichten in der Heimat riefen, verlies mich. Da lag ich nun an gleicher Stelle und traeumte waehrend der Regen, manchmal leise, mal lauter aufs Deck trommelte,wie es begann mit dem Meilenfressen. Damals Ende August ueberlegte ich, ob nicht Kreta eine Reise wert waere. Warum nicht ueber Kreta, Peleponese, Athen, Kykladen nach Kos zur Regatta: Dodecane Cup Start 6.10. segeln. Das waere nicht schlecht. Was gab es viel zum Ueberlegen am 25.08. brach ich auf, um ueber Marmaris nach Datca zu segeln. Ein gutes Essen in Datca/TR zum kleinen Abschied aus der Tuerkey und weiter ging es nach Symi/GR.
Die geplante Route nach Kreta: Start aus den Sueden von Symi - Alimia und Khalki an Backbord liegen lassen, Oestlich an Karpathos vorbei, zwischen den Inseln Karpathos und Kasos durch zur kretischen Nordostkueste. Die Vorgaben aus dem Wetterbericht waren Nordwest 4-5. Aufgehts, am 1.09. um 8 Uhr segelauf in der Ankerbucht Pedi. Symi an Steuerbord zurueck lassend. Aber meinen vorgesehen Kurs konnte ich nicht anlegen, da wie so oft der Wetterbericht nicht stimmte, aber das war ja nichts Neues. Alimia konnte ich gerade noch anlegen, nach Khalki musste gekreuzt, werden um Karpathos besser ansteuern zu können. Ich kreuzte gleich in die Bucht Emborios, wunderschoen die Skyline von Khalki`s Hafen. Weiter ging es Richtung Karpathos. Mehrere Buchten zum Uebernachten standen zur Auswahl. Wind, aber vor allen Dingen die Wellen standen dagegen, so dass wir, die "Naja" und ich, nicht so recht vorwärts kamen. Immer mehr musste ich in denn Sueden abdrehen. So gross die Insel auf der Karte aussieht, viele Ankerplaetze hatte sie nicht. Zumindest keine solchen,die ich in der Nacht als Ortsunkundiger anlaufen wollte. Die griechischen Inseln nachts zu befahren, bedeutet sowieso hoechste Aufmerksamkeit. Weiter ging es, der Ostkueste Karpathos entlang in den Sueden. Am untern Ende bei Amorfos gabs noch eine Bucht in der Bucht die einlaedt zum Ankern. Mittlerweile ist es schon dunkel, die Sterne funkeln, die "Naja" laeuft mittlerweile 5-6 Kn schoen unter Segeln. Bald wird die Bucht an Steuerbord aufkommen,aber schon habe ich das 3. Reff drinnen und der Wind legt immer noch zu. Es blaesst mit 5-6, des nachts schon unangenehm, hoffentlich bleibt es so. Mit ueber 6 schon an die 7 Beaufort stuermt es nun aus der grossen Bucht, da mochte ich nicht mehr nachsehen, wie es in der Ankerbucht aussieht, die Changen stehen 50/50 fuer eine ruhige Bucht, es laesst sich schwer abschaetzen, also weiter. Wie man sieht, anders als auf Land sollte man schon etwas flexibler sein und im Vorfeld mehrere Wege, Buchten mit einkalkulieren um staendig zu wissen, wo kann man eventuell noch rein, bzw. wo kann man noch hin.
Mittlerweile ist es 23 Uhr. Gewaltig blaest es aus der Duese zwischen den Inseln Karpathos - Kasos. Zum Ablesen der Windstaerke, ich hatte keine Zeit, irgendwie wurde es schon stressig. Schoen das ich schon 3mal gerefft hatte, noch ein Reff waere nicht schlecht, die Umstaende waren aber nicht gerade guenstig.
Zwei Fischerboote die vermutlich im Team, ja auch bei diesen Wetter, ein Netz schleppten, sie kreuzten meinen Kurs und kaempften, so wie ich, mit der See. Beruhigend, denn da, wo sie noch fahren, segele ich auch noch. Vorerst war es nicht abzusehen wohin sie wollten. Ich hielt mich frei, so gut es ging und hoffte, dass sie bald verschwinden wuerden, hoppla mein Wunsch ging in Erfüllung, alsbald verschwanden sie hinter einen Cap von Karpathos. Mein Kurs, weiter auf Kasos zu, in der Hoffnung im Windschatten der hohen Insel etwas Ruhe zu finden. Da ich ja quer zur Duese segle, unterstuetzt sie mich, indem sich der Wind auf faechert. Zuerst fauchte mich der steife Wind mehr von vorne an und dann kommt er immer mehr von der Seite bis er durch geht und dann von Achtern schiebt, das heisst: Er weht von hinten. Endlich hinter Kasos aber von wegen Windschatten, ich haette es besser wissen muessen. Gewaltige Fallwinde kamen von dem Bergen herab und links und rechts watschte mich der Sturm. Ich war an der Suedostseite von Kasos dort war zwar eine Ankerbucht aber nicht dran zu denken in sie zu fahren, es war mittlerweile 2 Uhr morgens und sehr finster. Mit Radar, Lot tastete ich mich naeher an die Steilkueste heran was nicht ungefaehrlich war da eine unbeleuchtete Insel irgendwo "manander" stand. Je naeher ich mich an die Kueste herantastete, umsomehr lies der Sturm nach, die Fallboeen blieben. Kueste und Insel mittlerweile im griff, per Radar und Auge, wobei das Radar schon den groesseren Anteil hatte, was sehr beruhigte. Was soll man sagen, 3Std kreuzen, bis gegen 5 Uhr morgens, die vergingen nicht im Fluge aber irgendwann war es zu Ende.
Mit dem ersten Licht am Himmel, die Insel war mir naeher als lieb oder sah es nur so aus, die bedrohende dunkle Masse an Backbord der "Naja". Weg von dem ungastlichen Ort, rum um die Untiefen im Sueden und weiter gegen Westen, Richtung Kreta. Der Starkwind hatte nachgelassen, es blies noch mit guten 5 aus Nordost. 270° haette ich anlegen wollen, konnte ich aber nicht. Die gute Naja will keine Hoehe fahren, noch dazu, wenn die Welle gut einen Meter hoch steht. Irgendwie war ich schon ein bisschen muede, also Motor an um mehr Hoehe zu laufen. Was soll man sagen, die Wellen waren nicht uebermaessig aber doch noch so hoch das ich nicht trocken blieb, dafuer aber wach.
Angelandet bin ich bei Zakrou im Suedosten Kretas am 2.09 um 16 Uhr. Ueber 32 Std. segelte und motorte ich letztendlich so dahin, Nun auf 3 m ankern in einer idyllischen Bucht, besser konnte ich es nicht treffen. Als Belohnung gabs in einer Taverne einen riesigen Spiess mit Schweinefleisch natuerlich mit griechischen Salat, tierisch Gut.

Euer Capt`n Roman