Sonntag, 16. Dezember 2001: Hallo Blinde Passagiere.

 

Genesen sollte ich sein, ich weis es nicht so recht. Auf jeden Fall frueher war alles anders. Trotz all dem geht's mal wieder Richtung Italien. Nun, mit der Karibik da wird's wohl heuer schlecht aussehen, zulange hat mich nun mein krankes Bein aufgehalten.

Hier waere noch anzumerken. Frueher als ich an einen bestimmten Tag um eine klar definierte Zeit an einen bestimmten Ort sein musste, in Anfuehrung`s- Strichen, meist um an ein Rennen starten zu koennen (oder einer Arbeit nachzugehen), da war das Rennen (die Arbeit) noch das Ziel. Heute ist es anders, heute ist der Weg das Ziel und somit unterscheiden sich meine Vorgaben zum Teil wesentlich von den Mitmenschen aus meinen naeheren Umfeld, meist liebe Freunde. Somit gibt es selten, aber doch, Termin Verschiebungen, bzw. auch neue Zielvorstellungen die das Wesentliche, das Der- und Erleben meiner Seglertage, nicht beeintraechtigen, wohl gemerkt meiner. Denn soweit ich weiss, bin ich bis dato
Einhandsegler,
und so will ich es halten.
Das, nur einmal so, in den Wind gesprochen.

In Monfalcone angekommen, von meiner Schwester, die Ihren Urlaubstour so legte, das ich das erste Stueck des Weges mit genommen werden konnte auf Ihren Trip quer durch Norditalien. Da stand ich nun auf der Strasse vorm Liegeplatz und sehe von weitem schon die Masten. Eine immer wiederkehrende Spannung, bis man Sie sieht, und Beruhigung pur ist's, die "Naja" schwimmend zu sehen.
Dieses mal: "Gut sieht Sie aus", denke ich mir, als ich näher dran war, "Aber der Wasserpass ist im Heckbereich etwas zu weit draussen, da muss ich noch was umschichten".


Schnell ins Boot, alles war in Ordnung. Dann die Routine: Hauptsicherung ein, Kugelhaehne und Luken auf usw.. Die Kojen einrichten, anschliessend sich setzen, um dann alles zufrieden und, man verzeihe mir, mit gefaelligen Blick anzusehen.
Oh, der Wetterbericht (DWD - Fax) verheisst nichts Gutes. Zwischen Marokko und Tunesien ein riesiges Tief, drum herum Hoch`s und Tief`s in der richtigen Konstellation, nichts gutes verheissend fuer die naechste wenn nicht gleich fuer die uebernaechste Woche.
Ich war in Richtung Istrien unterwegs und das auf Grund einer Wettervorhersage von heute morgen in der vorkam: "abnehmend", ich wollte es halt schoener, ja optimistischer sehen. Aber nun, die Wetterprognose vom DWD bestaettigte sich, das Wetter, es war mehr als sehr ungemuetlich.


Die Adria tobt in ihrer gesamten Laenge. Bei dem stuermischen Schirokko, da hatten der Suedwind lange Raum + Zeit die Wellen imposant anwachsen zu lassen.
Vor allen Dingen waren die Tage schon so kurz somit bestand Lichtmangel. Als nicht Ortskundiger wusste man aus der Karte wo eine geschuetzte Bucht war aber um Ankern zu koennen, sollte man trotzdem Licht haben. Beidrehen wegen der Landnaehe fiel fuer mich aus, blieb nur noch eine Alternative, der Hafen. Etwa alle 30 - 40 Nm haette ich da rein muessen. Mehr macht man beim kreuzen plus diesen Wetter nicht. Zu teuer, wenn`s bloed geht 20 Tage a 60.- DM.


Alles in allem, bei mir am alten Liegeplatz waere es schon wesentlich gemuetlicher und meine Bordkasse waere enorm entlastet. Was mir am meisten im Magen lag war, wenn`s es am Anfang schon so kachelt. Ich muss mit meinen Kraeften haushalten. Mein Prinzip, beste Kompromisse zu suchen und finden erfordern manchmal schon auch ein konsequentes abkehren meiner Vorsaetze.
Mit enormen Schub von Achtern kreuzte ich, maechtig Meilen machend, zum alten Liegeplatz zurueck.
Was nun auch heisst:
Ich fahre auch dieses Jahr nicht nach Spanien und letztendlich auch nicht weiter.
Nicht ganz zufrieden (weil die Goetter mir nicht gewogen waren) werkelte ich, soweit das Wetter es zuliess, am Boot umher, als dann ueber Kurzwelle, auf schwerste Unwetter in der westlichen Adria berichtet wurde. "Naja", sagte ich mir auf der "naja" und werkelte, so wie's sein sollte: sehr zufrieden, zufrieden weil meine persoenlichen Wetterprognosen ueberwiegend eingetroffen sind, am Boot weiter.
Auch diese windigen, kalten Tage gingen vorbei. Zeit wurde es auch und der Tag kam, an dem ich gemuetlich verschiedene Vorsegel setzten konnte, um die dazu gehoerigen Hohlepunkte mit meinen neuen, per Talje verstellbaren Schotbloecke zu finden.
Heute geht's raus um meine neu installierten Bloecke und Leinen zu Testen. Es macht Spass, zu sehen um wieviel das Segel besser steht, mit den neuen Einstellungen. Aber es werden immer mehr Leinen. Ich kann schon manche Segler verstehen wenn sie meinen: "Kann man mit diesen vielen Leinen das Boot alleine noch segeln". Tja, in der Tat es kann schon etwas verwirren die vielen Leinen. Aber ungeachtet dessen, ich brauche sie. Es sind eher zu wenig um alles trimmen zu Koennen, die Segel so einzustellen, so das Sie gut stehen und noch besser ziehen.
Der Tag neigt sich seinen Ende zu. Es wird schon frueh kuehl, die Bora setzt dann manchmal abrupt ein. So wie jetzt, als jetzt schon fast unmerklich wieder mit 4 weht, sogleich wird`s kaelter und man weiss nicht wie stark es noch kommen wird. Wird Zeit festgemacht am Liegeplatz zu liegen.


Die buergerliche Daemmerung liegt schon hinter mir, das Heisst man hat nicht mehr die beste Sicht, ich steuere meinen Platz an. Dazu, normal geht's gerade auf den Liegeplatz zu, 20 - 30 m davor lege ich den Rueckwaertsgang ein, um mit den Radeffekt und Ruderlegen, um 180° das Boot zu drehen und setze mich dann rueckwaerts an die Steuerbordseite des Bugsierer im Paeckchen. Soweit ganz gut. Heute, mit der etwas schiebende Bora, beginne ich das gleiche Manoever, Platz genug sehe ich mit einen kurzen Rundumblick ist da. Vorwaerts Gang raus, kurze Getriebepause. Rueckwaerts Gang rein, nichts ruehrt sich! Kein mahlendes Geraeusch, das Geraeusch, das von der Schiffsschraube ausgeht, die gegen den Strom dreht. Den Rumpf erzittern lassen die grossen Kraefte die, das Zwoelftonnen Boot abbremsen sollen. Die kalkulierte Kursaenderung nach Steuerbord, hervorgerufen durch den Radeffekt, fehlt. Sie laesst das Boot ueber Steuerbord drehen, null Reaktionen, gar Nichts. Nein im Gegenteil man meint es wird immer schneller. Schnell! Nochmals - vorwaerts, rueckwaerts........ist die Schraube ab? Oder der Kardan? Nein es klopft nichts, die Stummeln der Kardanwelle muessten an der Bordwand anschlagen oder diese durchschlagen. Irgendwie muss die Fahrt raus. Ja, mit einer engen Kurve die Fahrt rausnehmen, wie laeuft das --- zuviel Raum hatte ich ja nicht,.... geht schon. Das Ruder herum gewirbelt, die Speichen flogen,


Wie gesagt, Platz fehlte, 40 m ist die Einfahrt in etwa breit, abzueglich der zirka 5 m Breite des Bugsierer`s an Backbord und auf Steuerbord grobe Wellenbrecherfelsen die gierig meiner "naja" harrten. Den Heckanker schmeissen....na ja, das waere Aktion..... nein, es war hier 10 - 11 m tief, das bringt nichts, wenn der nicht haelt, wo lande ich dann? Wie in alten Zeiten, das Denken, es funktioniert. Ha-ha, das freut mich. 90° Steuerbord, schoen geht`s; 110°, es geht schon zaeher rum, der Nordwind (die angehende Bora?) drueckt auf die Fahrt. 150° langsam laeuft die Fahrt aus, das ist schlecht, denn wenn die "naja" ueber den Achtersteven abtreibt, koennte das sonst, so nach allen Seiten geschuetzte Ruder, Schaden nehmen. So gab ich der "naja", die wie ich erst jetzt bemerkte, ganz schoen in den Wellen zu schaukeln beginnt noch einen drive nach Backbord.
Der Wind machte eine Pause. Gut so, die Fahrt ist raus - und sie legte sich quer zu dem wiederauffrischendem Wind, und wird nun auf die, mit den grossen, fast wie Zaehne aussehenden Felsen, die eigentlich wegen des Wellenschlages da waren und nicht um Boote zu fressen, zugetrieben.


Nun handeln, denn ich war schon sehr nahe am Steilufer dran. Also Badeleiter freimachen, in`s unbekannte Wasser springen, mit meinen kaputten Fuessen, das war mir zu gefaehrlich.
Da bemerkte ich, es war schon fast finster, das Boot bewegte sich nicht mehr auf und ab sondern kippte mit den Wellen immer hin und her, aber mit mehr Kraengung zum Steilufer hin wegen des Winddruck`s. Da lag ich, gestrandet zwischen immer groesser werdenden Wellen und den auch nicht kleiner werdenden Felsen. Flut setzt ein zu dieser Zeit, einerseits, ja gut, um spaeter leichter freizukommen. Aber ich sass auf einem Absatz der rund um das Ufer lief, im Augenblick (Ebbe) in einer Tiefe von etwa 140 - 150. Je hoeher ich aufschwamm, desto naeher kam ich den grossen scharfkantigen Felsbrocken, die nur darauf warteten, meine mit viel liebe geschliffene Aussenhaut aufzuritzen.
Raus aus den Klamotten. Nackt wie ich war - in meinen Schwerwetter Gummi. Die Ruder vom Dingi mitnehmend, sonst komme ich nicht zurueck, fest in der einen Hand, die Leiter runter in`s kalte Wasser, uhi das macht Spass. Noch kaelter war der Schlamm in den ich nun einsank -igitt-(das Wort, der Mary Lou zuliebe) wie eklig. Den guenstigsten Weg durch die Steine nehmend stand ich schliesslich oben auf der Uferboeschung. Mir gegen ueber, ein 2,50 m hohes Dornengebuesch, denke Rosen, so breit wie die Halbinsel und etwa 50 m in der Tiefe.
Vormals, als ich noch in der Sonne auf der "naja" mich rekelte, und so gelangweilt umher gesehen habe, aber nie im Traum daran dachte das ich da jemals durch muesste, da meinte ich, wie schoen ist doch die Natur.
Heute noch dazu, ja es war ja immer noch nicht ganz finster, die Augen hatten sich schon lange auf die Szene eingestellt, aber wesentlich dunkler als die Daemmerung. Da war ich eine klein wenig anderer Meinung: "Rosen", und gleich weiter: "Diese Weiber".
Mit den Riemen, mal schraeg, mal quer, vor und ueber mir, drueckte und schob ich mich, wie ein Storch stelzend, ja manchmal wieder rueckwaerts, weil gefangen, aber meist vorwaerts zwaengend durch die Vorstellung getrieben, die "naja" zu verlieren. Es zog und kratzte an den Haenden , die Kopfhaut brannte und ....... und auf einmal war ich durch.
Pause, gab`s nicht, rund ums Becken.


Das Dingi, da stand es, Kiel oben, etwas aufgebockt damit es vom Boden frei war. Kurz umgedreht und in einem, ohne gross etwas unterzulegen ueber den rauhen Beton gezogen, die 2 m in`s Wasser runter geschmissen (niedrig Wasser),nicht vergessend, es am Strick zu sichern. Die Riemen so auf die Mole hingelegt, dass ich sie vom Dingi aus 2 m Tiefe nehmen konnte. Verdammt wie komme ich ins Dingi. Alle anderen Boote waren ja ebenso weit unten. Rekonstruieren kann ich es nicht mehr, aber mit Hilfe einiger Monierenden die aus der alten Mole raus standen und irgend welchen Festmachern kam ich unten wie an. Die Riemen in die Gabel rein, angezogen, schon flogen sie raus. Die Gabeln waren zu gross. Verflucht, rudern, die Ruder irgendwie in die Gabeln drueckend, und das gegen den Wind, der nun ganz schoen blies. Nicht gerade, nicht kreiselnd, eben vorwaerts kommend, auch ohne Steckschwert, da ist noch dazu keine Fuehrung da. Ja, der glatte Unterwasserboden, da muss ich auch..... noch was machen. Es geht nicht aus. Probleme? Was soll`s sind wenigstens selbst gemachte.
Nun konnte ich die "naja" manchmal wieder sehen, so hatte das hin und her beim vorwaerts kommen auch seine Vorteile. Vorwaerts, zum Schlafen war keine Zeit. Endlich dran, ueber das Heck ins Cockpit Wie leicht das geht wenn`s pressiert. Die Ankerleine ins Dingi abgespult damit es beim Rudern zum andern Ufer schoen ablaeuft. Rein ins Dingi, ein kurzer Blick zu den Felsen und der Bordwand, nichts zu erkennen, zu finster. Hinueber zum Bugsierer. Leine fest, zurueckgehangelt an der "Ankerleine", die nun an beiden Seiten befestigt war, das ging schneller, als rudern. Rauf ins Boot, Leine rum um die Winsch und gekurbelt! Die Leine wird fest! Ans Ufer geschaut - soweit man es erkennen konnte. Die Leine wir schlaff, man kann keine Bewegung - rein gar nichts erkennen.
Wieder gekurbelt, nichts geht. Logisch!!! Der Bugsierer geht in die Leinen. Nun wieder gekurbelt , aber die Ankerleine nicht zu hart werden lassen . Tatsaechlich - es kommt wieder Bewegung ins Boot, es kippelt wieder mehr. Es geht ein wenig wieder auf und ab. Ja, der Bug, der dreht sich leicht seitlich hin zum Ufer.. Immer staerker tanzt der Kluever. Ja, der will ja die Felsen kuessen! Hallo, Hallo - so viel Dankbarkeit fuer`s freikommen, das muss nicht sein. Fast haette sie es geschafft das mit dem Kuessen.

Das Verholen ueber die Einfahrt war - na ein Kinderspiel.
Wie so oft. Die Sterne flimmerten, die nicht eingesetzte Bora klingt ab, Ruhe kehrte ein, als waere nichts gewesen.
Tja, was war Geschehen im nach hinein? das Wellenstueck zwischen Getriebe und Stevenwelle war an einer Schweissnaht gebrochen. Gluecklicherweise war ein Passstift zum zentrieren drin und so lief die Motorwelle auf dem Passstift, derweil der Stevenpart samt Schraube auch fixiert durch den Passstift stand. Es bestand somit nicht die Moeglichkeit das die Wellenstuempfe den Rumpf unter der Wasserlinie durchschlugen. Das haette der Strandung noch etwas mehr leben gegeben.


Wie schon erwaehnt, nun werde ich zum 2. Mal in Monfalcone ueberwintern. Himmlische Zustände sind das gerade auch nicht. Derzeit haben sie "meine" Drehbruecke demontiert (zur Ueberhohlung), die auf der Strecke Monfalcone - Marina Hanibal liegt. Das verlaengert meinen Weg in die Stadt um zirka 5 km, mit Klapprad und Kaelte, schon machbar, na ja!
Aber mit einer Webasto (Bootsheizung) und etliche anderen Annehmlichkeiten werde ich mir nun das Leben, lebenswerter einrichten.
Weihnachten wird's:

Ein Frohes Fest und an guten Rutsch

.Pfird eich und Servus
Roman