Blindepassagiere, Ahoi
| Kos | 36°53,84N, 027°17,97E | 50,5 Sm |
Hier auf Kos habe ich mich gut eingelebt. Auch ein Muenchner residiert hier. Der Hans, sehr freundlich und hilfsbereit, konnte mir weiter helfen mit meinen Wasserpumpen Problem. Aus Muenchen wuerde sein Freund kommen und der koennte eventuell etwas mitnehmen.
In dieser Zwangspause von einer Woche geschahen zwei Dinge. Erstens ich las ein Plakat mit der Ankuendigung einer Regatta:
12 - 19.10 Dodecanes Cup 2002
Keiner wusste Bescheid. Als ich ein oesterreichisches Team wegen ihres Kärntner Dialektes ansprach und wir ueber Gott und die Welt sprachen kam ich auch auf die Regatta zu sprechen. Volltreffer sie waren auch deswegen hier, wollten nur eine Woche vorher noch etwas die Seele, zwischen den Inseln baumeln lassen. Ja und wie es der Zufall auch so wollte, die sympathischen Kaerntner waren dann auch spaeter, die Gewinner der Regatta. Es dauerte bis Ende der Woche bis ich den Herrn. Leers, den Veranstalter selber traf. Ein oesterreichischer Belgier, der angenehmsten Art. Andre machte, der Odysseuse, ein Ende. Ich war angemeldet. Es erinnerte mich sehr an die Zeiten als ich noch Motorradrennen fuhr, die einfache, sportliche Einstellung. Nichts aber auch gar nichts Überkandideltes.
Da war doch noch was. Ja, ich traf die beiden jungen Segler, die ein umgebautes Rettungsboot segelten, ein Aerzte Pärchen. Rueckblick: Zwischen Leros und Kalimnos sah ich einen Oldtimer ca. 9m, er gefiel mir und ich tat etwas langsamer. Wir verstaendigten uns auf einen Treff, entweder in Vahti auf Kalimnos oder auf Kos. Da Vahti mir zu schwierig zum Anlanden war, mit Seitenwind und einigen anderen Widrigkeiten, fiel es mir leicht weiter nach Kos zu "duesen". Mit einbrechender Dunkelheit wollte ich nicht in der Altstadt von Kos vor den Steg gehen sondern die Annehmlichkeiten einer Marina geniessen und segelte drum in die Marina Kos. Dort ging's rucki zucki. Schlauchboot fragt auf deutsch, ob ich da bleiben will. "Ja", meinte ich; schon faehrt er voraus, weist mir eine Box zu und schiebt mich mit seinem Gummiboot gleich rein, fertig - 15 Euro am Tag.
Etwas weit ausgeholt Des oefteren ging ich nach Kos Stadthafen, um zu sehen ob die beiden schon da sind. Am dritten Abend sah ich das Boot im grossen runden Hafenbecken der Altstadt. Es konnte sich schon sehen lassen, das betagte Boot, der Inhalt, genau das was rein passte, jung und frisch, gelinde gesagt, sehr gut anzusehen. Nun beide waren gerade mit dem Studium fertig und wollten sich vor dem Ernst des Lebens vergewissern ob die Bucht von Bodrum noch so aussieht wie aus einen Segelbericht vor ca. 20 Jahren. Man wird vielleicht davon noch hoeren. Nach einen guten Ratsch halfen Sie mir noch, Tags darauf, bei der Tablettenbeschaffung die ich benötigte. Danke, nochmals. Das Wetter war fuer Sie guenstig, beim Segeln heisst es: "Nuetze immer die guenstigen Winde, auf zu neuen Ufern". Mit SMS sollte Kontakt gehalten werden, fuer einen eventuellen Treff, da ich ja ebenfalls in die Tuerkei wechseln will. Der Freund aus Muenchen war da und ich bekam meine Teile, sogar mein Ladegeraet war mit dabei und sogleich machte ich mich an die Arbeit. Auch hier moechte ich mich nochmals herzlichst bedanken.
Fuer Montag den 14. 10. 02 war Regatta angesagt. Obwohl so viele Oesterreicher dabei waren die ueberall hin einen guten Draht haben, hinauf direkt anscheinend nicht, da es auf jeden Fall kein Kaiserwetter war. Schwarze Wolken zogen links und rechts an uns vor bei, waehrend wir uns zum Start vorbereiteten. Da liess eine Wolke es wissen, sie kam direkt auf uns zu, brachte Wind im Ueberfluss, waagrechten Regen der schmerzte und dann einen Duscherer das man keine 100 m sehen konnte und kurzzeitig maechtig viel Wind. Neuer Startversuch, Abbruch kein Wind. Irgendwie verlor ich die Uebersicht, wir starteten schliesslich fast ohne Wind, natuerlich bin ich wieder letzter, aber der Wind legt immer mehr zu. Irgendwie koennte man zum Spielball der Natur werden, aber eben, koennte man. An diesen Tag jedenfalls nicht, oder sagen wir mal so, fast nicht Es kam wie es kommen musste, beim Aufkreuzen hatte ich jedenfalls den Wind, den ich Raumschots gebraucht haette. Der Spass hatte an diesen Tag noch nicht sein Ende gefunden. Nachdem ich Stunden spaeter, als alle andern im Ziel waren, richtig gelesen "Stunden", stand ich vor dem Problem, einparken. Alle Boote standen, aufgereiht da, am Steg. Angelegt roemisch-katholisch, das heisst: mit Buganker im Hafenbecken und mit dem Heck am Steg. Bis jetzt konnte ich mich um diese Variante des Anlegens druecken. Ich war an diesen Tag nicht in Hochform, als ich dieses Manoever zum ersten Mal fuhr. Es war das erste was an diesen Tag klappte. Mit Klatschen und Zurufen wurde nicht gespart. Vergessen in diesen Moment die Regatta, das tatsaechlich Wichtigste habe ich gekonnt. Versoehnt mit mir und der Welt konnte es von mir aus so weiter gehen. Die Stadt Kalimnos wartete und ein echter Schwamm, der die Form eines Elefantenohrs erahnen lies und auch noch so hiess, wie die Verkaeuferin mehrmals betonte, wurde mein Eigen.
Briefing, die neuen Kurse fuer den Tag wurden vorgestellt, mit entsprechenden Ausweichkursen, denn nichts ist sicher, wie in der Physik, letztendlich ist das hier ja auch alles Physik.
Nach dem Briefing, sah ich mir die Ergebnissliste an. Was Steini, mit seiner 31. Bavaria, von mir etwas animiert zum Mitfahren, lag auf den 8.Platz. Einerseits freute es mich, aber Tags zuvor fragte mich der Regattaleiter ob ich denn so schnell sei wie die Bavaria und ich meinte, sicher, mit einer Handbewegung die da so bedeuten sollte: "sowieso" und nun das. Der Tag faengt ja schon gut an.
Der Start gelang mir gut und ich war im letzten Drittel dabei Steini hatte ich auch hinter mir gelassen, aber was mir nicht gefiel, er lief mehr Hoehe als ich. Anfangs war's ein 3er Wind, aber das aenderte sich rasch als wir aus der Abdeckung der Insel kamen. Steini, nun mein persoenlicher Gegner. Wir fuhren verschiedene Linien. Das erste Mal war ich vorn (beim Kreuzen), beim zweiten Mal er und beim dritten Mal kam es dann zu keiner Begegnung mehr, denn da berstete seine Genua. Ich dachte sie haengt in Fetzen davon, da sehe ich sie wieder stehen. Ueber Funk hoerte ich dann, dass er aufgibt. Spaeter erzaehlte er mir, was ich sah war die Sturmfock, aber mit der konnte man nicht mehr ankreuzen. Deshalb die Aufgabe. Als ich ins Ziel fuhr ein riesiger Applaus, ich gebe zu es war wunderbar. Diese Nacht hatte ich keine Probleme mit dem Anlegen den am Steg es war kein Platz mehr frei und so gesellte ich mich zu einigen anderen die frei Ankerten.
3. Tag. Zum Briefing hat mich eine Nachbar Yacht mit dem Beiboot mitgenommen, ich war natuerlich wieder letzter. Trotz des grossen Beifalls gestern war ich ein wenig traurig, aber ungebrochen. Neues Ziel Lipso. .Steinis Segel war wieder repariert. Eine grosse Etappe erwartete uns. Start bei Lakki, wieder konnte ich mich nicht beschweren ueber den Start und als es aus der Engen Einfahrt raus ging, Brise es deutlich auf und steigerte sich auf der aussen Bahn auf 6, in Boeen gut mehr. Das Boot wuerde ja gut laufen aber nicht diese Hoehen wie die 42 und 47er da hilft die beste Yardstick Zahl (Handicap) nichts wenns immer gegen angeht. Mit dem Kurs den ich nahm war ich bald alleine, aber dann letztendlich vor Steini im Ziel, ein seelisches Fussbad, etwas getruebt dadurch dass dieser wegen des reparierten Segel, vielleicht nicht so heizte.
4. Tag und das Ziel hiess Vahti. Es war die Bucht in dem ich mich vor Tagen mit einem Aerztepaar treffen wollte. Der Start gelang mir gut, aber irgendwie fuhr ich taktisch nicht geschickt und musste an der zweiten Boje das ganze Feld auf Backbord Bug an mir vorbeiziehen lassen, um dann erst die Boje selbst zu runden und das Feld vor mir her zu hetzten. Gewohnte Position, aber wie immer segelte ich voll motiviert. Bei jeden Rennen gilt immer das gleiche, zu Ende ist ein Rennen, die Regatta oder was auch immer, erst dann, wenn man durchs Ziel ist. Anfangs war der Abstand in etwa 1,5 Meilen. Ich segelte nicht den gleichen Kurs, das waere aberwitzig. Auf vor den Windkursen war ich ebenso wie auf der Kreuz unterlegen und so kreuzte (anders kreuzen) ich vor dem Winde. Der Abstand blieb gleich aber ich hatte bald eine bessere Position zum naechsten Cap und mit vielen wenn und aber, der Wind so uebers Cap geht, dann habe ich sie bald. Was war los, in der Naehe des Caps verlor ich nun an Fahrt. Das Feld gewann wieder an Abstand. Der Steini natuerlich vor mir. Aber doch zum greifen. Er war noch weiter draussen als ich und beschleunigte wieder. Verdammt, ich verliere sie. Irgendwie gluggerten die Wellen so, als wenns Boot wieder 3 Knoten machen wuerde. Kurzer Blick aufs GPS, jawohl die Geraeusche stimmten noch. Ich holte wieder leise auf. Ich wagte nicht zu atmen, als wenn dies bei einem 10 Tonnen Boot was ausmachen wuerde. Trotzdem bin ich ueberzeugt, dass die Summe der Dinge sich addieren und ins Ergebnis eingehen. Ploetzlich quaekt der Funk, die Regatta wird vorzeitig beendet.
Ziel, zwischen irgendeinem markanten Felsen und dem Startschiff. Ich schaetze, da habe ich nicht mehr viel Zeit, noch dazu, weil mir die andern wieder davon laufen. Sie beschleunigen einfach besser. Aber was ist das, der Wind kommt unregelmaessig das ist ein Vorteil fuer mich, wegen der Masse des Bootes. Einmal in Schwung laeuft sie locker bis zur naechsten Boee. Tausend Gedanken gehen einem durch den Kopf. Tatsaechlich ganz vorne stehen sie, ja einige fahren noch. "Steini" und "naja" laufen nicht schlecht, wir laufen in das Feld, gehen einfach durch einen Pulk, wie ein superscharfes Messer. Steini ein Stueck vor aus, laeuft ueber die imaginaere Ziellinie und kurz darauf ich auch. Es war kein Fotofinnisch aber fuer mich mehr als ein grossartiges Gefuehl, einmal mit dem Feld ins Ziel einzulaufen. Natuerlich wusste ich, heute bin ich vorne dabei aber wie weit. Schau ma amoil. Der Wind schlief na endgueltig ein und das Motoren zu eigentlichen Ziel und Liegeplatz begann. Im engen Vahti hatte der Andre (der Veranstalter Leers) die Boote so rein dirigiert nach Groesse und Laenge, als wuerde er das alle Tage praktizieren. Abends gab es Gutes bei einer Griechin, die lange Zeit in Australien gelebt hatte. Hier erfuhr ich, dass ich an diesen Tag Dritter geworden war. Die Freude war gross, ebenso bei den Steinis die Fuenfter wurden.
Fuenfter und letzter Tag der Regatta, Briefing. Der Wind sollte kommen und uns in den Heimathafen Kos blasen. Auf "sollte" lag die Betonung. Tatsache war, der Wind kam, etwas spaet, es wurde gestartet und nachdem die erste Yacht das Ziel bis 16 Uhr nicht erreicht hatte und auch vom Ziel aus nicht zu sehen war, wurde die Regatta abgebrochen ohne Wertung.
Zu der Sieger Feier. Wusste nicht so recht wo ich hin sollte. Fand Platz bei einer oesterreichischen Crew. Da kam doch ein Engelchen vorbei mit dem Namen Alice, dem juengsten Besatzungsmitglied der Steini Crew mit den Worten: "Roman magst du nicht bei uns sitzen", mit so lieben Augen, wer hätte da abschlagen können, ich nicht. Es kam noch dazu, dass die Maedels 75 Prozent der Steinicrew ausmachten. Bei gutem Essen liessen wir die anderen und uns Ehren. Es war eine der schoensten Veranstaltungen an der ich teilgenommen habe und ich habe an etlichen Veranstaltungen teilgenommen. Vor allem, hatte man an all den Mitseglern bei dieser Regatta seine Freude. Merci, dass ich mitmachen durfte. Ergebnisse; plus Fotos gibt's in www.leers.com spaeter auch bei mir hoffe ich.
Pfird eich Roman