Kos 20.10.02
Die Regattawoche war vorbei. Doch was ist das, man koennte meinen ich bin unter die Ameisen gekommen! Die unermüdlich Steinis, nachdem Sie die Zeichen und Spuren der Regatta, wie Startnummern, Salzrueckstaende vom uebergekommenen Wasser usw. entfernt hatten, dazu lies ich mich auch anstecken und machte etwas klar Schiff. Die Ameisen die sozusagen gerade gegen die Knochen gearbeitet hatten, wollten sie nun fuer diese eben wieder etwas tun. Motorraeder geliehen, "Roman willst du mit zu den Schwefelbaedern". Natuerlich wollte ich. Gehoert hatte ich schon viel von diesen Baedern, zuletzt von meinen Freund Sepp aus Kaernten.
Wahre Wunder geschehen da mit den Knochen. Wie aus einen Jungbrunnen oder Phoenix aus der Asche, entsteigt man diesen Baedern, hoerte ich von Kundigen. Wer weiss, muede Knochen haette ich genug, wo die Schwefelbruehe ansetzen und wirken koennte. Mit den Motorraedern waren wir im Nu dort. Hinab ueber eine unbefestigte Strasse. Vorbei an Monster Felsen, die schon sehr dicke Spalten aufwiesen. Irgendwie dachte ich mir. Wenn der in Bewegung kommt hast auch kein Wehwehchen mehr. Er liess uns durch, die Steilkueste trat etwas zurueck und dalag zwischen einen riesigen Felsen und dem Meer, ein Tuempel. Menschen, die sich ohne hast bewegten, leise sprachen und es sichtlich genossen darin zu liegen. Es war nicht so einfach, einen Platz zu finden, nicht etwa weil zu viele Menschen drinnen waren. Sondern einfach, beim Zulauf, hin zur Felsenspalte, war es zu heiss und am Auslauf, wo es schon abgekuehlt war, tummelten sich mehrere Leute in Grueppchen um zu ratschen. Irgendwo zwischen heiss und warm fand ich meinen Platz. Etwas monoton, sich aufheizen zu lassen und im Meer sich abzuschrecken und das wurde mehrmals wiederholt. Flach atmen ist von Vorteil, gut das mein Naeschen alle Duefte nur gedaempft durch laesst, ein jeder geniest die Daempfe nicht so ohne weiteres. Aber was tut man nicht alles fuer die Gesundheit. Als wir gingen war es schon Dunkel, die Sterne funkelten und der Weg hinauf zu den Motorraedern wurde mir nicht zu lang. Doch eine Wunderdroge? Mir tat's auf jeden Fall sehr gut.
Bei einem netten Abendessen beschlossen wir am naechsten Tag gemeinsam in den Sueden zu segeln. Tags darauf: "Aber nicht doch bei diesen Windstaerken", Wir waren schon froh darueber noch in der Marina Kos zu liegen, aber dennoch, ein Auge schielte schon immer auf den Kalender, der Urlaub der Steinis war ja schliesslich endlich. Die gute Seemannschaft stand im Vordergrund, und somit gab es auch ein Ersatz Programm, falls es morgen weiter so blasen wuerde und das waere: Mit den Motorraedern in die Berge.
21.10.02 Pethi/Symi 36°36'90N;27°52'50E 48 Sm
Der Wind ging zurueck auf einen 4er. Konnten wir nach Symi? Rhodos war abgehakt, da wir 2 Tage wegen Starkwind verloren hatten. Mit einen 4er Wind Raumschots ging's ganz fein dahin aber es Briste immer mehr auf, zuletzt auf 6 und in Boeen 7. Das war`s ja eigentlich nicht was wir uns ertraeumt hatten. Rum um das Cap Krio, wo zwei Antike Haefen auf Besucher warteten, nein nicht daran zu denken. Ja, das waere es schon gewesen. Ankern, sozusagen in einem Museum, (2000 Jahre alt, die dorische Anlage Knidos,) aber es war nicht drin bei diesen Wetter. Im Windschatten der Berge ging`s weiter gegen Symi. Den Windschatten darf man sich nicht so vorstellen, als waere da nun kein Wind mehr. Im Prinzip teilt es sich so auf, Windstille und dann Streifen mit 6. und 7er in Boeen noch mehr, da heisst es aufpassen. Nicht nur bei einer Regatta kann man Segel verlieren. Trotz alledem ist es schon angenehmer auf der Leeseite zu segeln, weil man nicht staendig in voller Aktion ist. Ich konnte mir ausrechnen, dass wir Symi nicht mehr mit Tageslicht erreichen wuerden. Knackpunkt waren nun auch vorgelagerte Inseln, die man bei Dunkelheit besser nicht durchfaehrt, sondern umfaehrt. Das hiess aber auch die gesamte Insel noerdlich zu umfahren. Wahrscheinlich besser als die schlecht befeuerten, mit Untiefen versehenen Inseln zu passieren. Alles hat ein Ende und so auch diese Fahrt, die schliesslich in der Bucht von Pethi mit einen Ankermanoever, um 20 Uhr, endete. Michael holte mich mit dem Beiboot ab und so klang der Tag aus bei einem guten Essen.
Heute 23.10. war wandern angesagt, ueber einen Huegelkamm konnte man von unserem Liegeplatz Pehti in die Stadt Symi laufen. Ich persoenlich geniesse es sehr, die engen Gassen, den sanften Tourismus und der Rhythmus ist um diese Jahreszeit am angenehmsten. Ploetzlich ein rufen "Roman, Roman" ich drehe mich um und wer wars, der Muenchner Hans aus Kos mit seinem Freund und dessen Ehefrau, die mir die Ersatzteile aus Muenchen mitgebracht hatten. Sie sind auf den Weg nach Rhodos, um es zu umsegeln und um dann von dort aus nach Hause zu fliegen. Gemeinsam gings hinab in den Hafen. Der von oben aussah wie ein schoenes Spielzeug, unten angekommen merkten wir, es war alles echt und begehbar, unbegreiflich manchmal. Durch den zuvor vermeintlichen Spielzeughafen zu schlendern, mal hier was ansehen, mal da etwas Obst einkaufen das es ja immer frisch gibt. All diese Dinge die man letztendlich in jeden Hafen taetigt und trotzdem, immer wieder aufs Neue sich unterscheidet. Mit einem alten klapprigen Mercedesbus ging's ueber Strassen Berg auf, Berg ab, die frisch in den Berg gefraest worden sind schon mit einigen Aengsten,( ich bin manchmal schon sehr feige, wenn ein anderer das Steuer in der Hand haelt,) zurueck zum Liegeplatz. Die Zeit war gekommen, unvermeidlich, wie die Tatsache, dass die Sonne heute aufgeht, der Abschied von meinen 4 Freunden. Sie fuhren in den Norden und ich in den Sueden, gegen Rhodos. Meine ehemaligen Gegner, so dann, eine schoene Reise und auf ein Wiedersehen, Servus.
24.10.02 Rhodos 36°27'N;28°14'E 26 Sm
Der Wind hatte etwas gegen Rhodos und wollte nicht aufwachen. Irgendwer freut sich immer heute waren's die Batterien. Das Laden tat ihnen gut. Das Wasserschiff von Symi begegnete mir es kam aus Richtung Rhodos wahrscheinlich hat es dort sein Wasser gebunkert und das reichlich. Seewasser schwappte uebers Deck und mit einer tiefschwarzen Rauchfahne zog es seine glaettende Spur durchs Wasser die bald wieder verschwunden sein wird. So voll wie das Wasserschiff, so voll war auch die Marina von Rhodos. Nach einigen suchen fand ich nicht in der Marina sondern in dem leeren Industriehafen einen Liegeplatz. Ich musste das Boot mit sehr langen Leinen anhaengen da es sehr unruhig war (Schwell). Das Boot fuehrte einen Veitstanz auf, ohne sich muede zu laufen konnte man darauf nicht verweilen. Ich ging in die Stadt, einfach zirka 5 Km. Rhodos ist schon eine imposante Stadt. Aus der Ferne sah ich wie das Stadttor immer wieder im Lichte erstrahlte. Wie ich dann spaeter hoerte waren das die Lichtspiele die, die Ritterspiele, die da aufgefuehrt wurden ins rechte Licht setzten. Die ersten Griechischen Windmuehlen sah ich hier aus der Naehe, besonders erwaehnenswert, sie waren intakt.
Zum Essen ging ich ins Hafenviertel (Industriehafen), gut und Preiswert. Die noetige Bettschwere, satt und zufrieden ging ich durch die grosse Baustelle des Industriehafens. Alles fuer die Olympiade, wer weis? Das Boot schwamm noch, aber immer noch sehr unruhig. Schon sehr frueh aufgewacht, was tun. Nach einer Rundfahrt durch Industrie.-, Faehr.-, grossen.- und den kleinen Yachthafen wollte ich weiter...........
25.10.02 Ladiko - Sued 36°25,7N;028°14,4E 11,4 Sm
Ein Stueck in den Sueden. Nicht viele Meilen aber so viele um festzustellen dass der Anthony Quinn einen guten Geschmack hatte. Eine Bucht nach Ihm benannt, sie zu besuchen war natuerlich ein muss fuer mich. Es stand der Wind etwas unguenstig um dort zu Ankern so fuhr ich um ein Cap und dort fand ich eine fast vollstaendig umschlossene Bucht, fuer mich alleine. Die Bucht wunderschoen, aber ohne Schlauchboot bist aufgeschmissen. Etwas Schnorcheln und schwimmen das tat gut, nur die Preise im Strandcafe holten mich wieder auf den Boden herunter. So hielt mich nichts mehr und weiter ging's.....
26.10.02 Ormos-Vlicha 36°06N;028°06E 36 Sm
Mit angenehmer Brise in den Sueden. Vorbei an einen Tanker der auf den Strand geworfen wurde, also hier war die Puppenstube perfekt. Weiter, den Zinnen der alten Kreuzritterburg Lindou entgegen. Dort fand sich fuer mich kein geeigneter Ankerplatz so zog ich weiter und wollte ganz in den Sueden. Da hatte aber Rasmus etwas dagegen, es Briste auf, immer mehr auf bis auf 5/6 und das gegen an so entschloss ich mich zu Umkehr fuhr noch vorbei an Lindou und legte mich ins Lee der Berge. Die Bucht hiess Ormos-Vlicha. im Hintergrund war ein Viadukt zuerkennen. Ohne Schlauchboot ist nicht zu machen noch dazu an einem Strand. Sonnen Aufgang war um 6 23 58 Untergang 17 18 19 Wie man unschwer erkennen kann liegt nichts naeher als frueh ins Bett zu gehen und da ich kein Langschlaefer bin, so war ich um 2 Uhr wach. Die Seekarte war schon aufgeschlagen und ich ueberlegte wo hin: Zypern 100 Sm oder Goecek 65 Sm.
27.10.02 Goecek 36°45'13N;28°56'45E 62.2 Sm
Die Wahl viel auf Goecek, nach Zypern haette ich 2 Tage gebraucht. Auch waere ich an zu vielen Sehenswuerdigkeiten vorbeigefahren. Wer weiss wann ich wieder dort vorbei komme dachte ich mir und der Kurs war gesteckt. Nur kurz stand im Raum: "Tanken in Rhodos" aber wer weiss wann die Tankstelle aufmacht, warten und einen Umweg, das wuerde die Reise sehr verlaengern, auch so ne Sache. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nachts ankommen wuerde waere sehr gross aber nicht erstrebenswert. Der Wind stand guenstig, er kam von querab, fuer das Segeln sehr guenstig und es ging wie selten flott dahin. Als die Sonne aufging wurde es erst richtig lebendig und so lief die "naja" zwischen 5,5 und 6,5 Knoten dahin. Den Horizont abgesucht, leider kein Gegner, aber es machte auch so Spass. Langsam wuchs der Taurus aus der Kimm empor. An der tuerkischen Kueste war viel Verkehr zu beobachten. Sehr viele Segelboote fuhren an ihr entlang. Als es dann in die grosse Bucht von Fetchye ging dachte ich, ich waere am Starnbergersee, so viele Boote, nur landschaftlich wesentlich schoener. An vielen Buchten und einigen Untiefen vorbei ging's dann in den Stadthafen von Goecek.
Hier lernte ich Eberhard kennen, Er segelte seit Jahren mit seiner Ketsch "Flicka" in diesen Revier. Selbst verstaendlich kannte er jede Bucht, alle Untiefen und jeden Platz an dem ein Hund hin bisseln kann. Er und seine Aischa, kein Team aber ein Gespann. Eberhard hatte viele Meilen, in vielen Seglerjahren, hinter sich gebracht und war ueberzeugt, das er hier in diesem Revier fuer immer bleiben will. Nun ich kanns mir schon auch vorstellen irgend wo zu bleiben, aber ich denke, erst in ein - zwei - Tagen,...zwei...Wochen?.......Monate! Ja wer weiss. Internet, Banken, Discos, Geschaefte, alles war vorhanden. Nur mit der Verstaendigung da hatte ich schon so meine Probleme. Aber auch das war nach 14 Tagen nicht mehr das Problem. Irgendwie zieht es mich fort ich wollte schon mal wieder weg aber das Quatschen mit dem Eberhard und das gemuetliche standen dagegen und liessen mich den Aufenthalt immer weiter verlaengern. Aber der Spaetsommer, Herbst wie auch man es nennen mag, ging seinen Ende entgegen. Es wurde kuehler mehr aber stoerte der staerker werdende Wind und damit der Schwell der die Boote weniger schoen tanzen lies. So wie ich es sehe, kanns schon sein, das man die Leinen schnell loesen muss.
10.11.02 Kapi 38°07N;020°50E 10 Sm
Der SE, schon gestern unangenehm aber da verlor er am Nachmittag allmaehlich an Staerke, so das bei eintretender Dunkelheit Ruhe war. Heute sieht es nicht so aus, zudem alle Vercharterer, so wie die Professionellen ihre Boote in die sicheren Buchten verlegten. Die Frage war nicht: "was tun", sondern handeln war angesagt. Fuer diesen Fall hatte ich vorgesorgt und wusste das bei Wind aus dieser Richtung und der noch wahrscheinlichen Drehungen nur noch wenige Buchten zur Auswahl standen. Freilich fuer einen Eberhard standen viel mehr Moeglichkeiten offen. Er kannte dieses Gebiet wie seine Westentasche. Mir fiel nicht viel ein, es gefiel mir die Bucht Kapi am besten, das ich von der Herfahrt kannte. Trotzdem schaute ich in die noch infrage kommenden Buchten. Aber mit ihren Gulets nahmen manche Tuerken eine Bucht alleine fuer sich in Anspruch indem sie Festmacher (Leinen) quer ueber die ganze Bucht spannten. Was braucht man mehr bei unsichtigem Wetter bzw. in der Nacht. Was solls ich hab's gesehen und unter Motor gings weiter gegen Kapi. Ein netter Empfang. Zwei junge Maenner wiesen mich ein und waren mir behilflich beim Anlegen. Als ich mich umsah, eine Idylle. Es ist schon bloed immer in dieser Weise von der Umgebung zu schreiben. Aber Tatsache ist, es ist einfach wunderschoen dort und zwar immer wieder aufs neue. Ich sags mal so, sehr vereinfacht. Bei uns hier in Bayern gibt's auch Natur. Hier wenn man einen Feldrain anlegt, so ist das zurueck gewonnene Natur, das Gefuehl fuer das natuerliche hat man allerdings etwas verloren. In der Tuerkey steht man am Anfang, dort legt man sie nicht an, wenn man so will, ist alles Feldrain. Dort faengt man mit der Zerstoerung der Taeler erst an, durch den Bau grosser Plantagen und dergleichen. Schlimmer noch die Strassen, die ohne Ruecksicht, moeglichst gerade durch das Land gezogen werden. Heute noch Kratzer in diesen Paradies und doch weithin sichtbare Narben, was morgen sein wird, ist unschwer zu folgern . Also, man hat "zur Zeit noch" mehr Natur. Dazu kommt noch das ich am neuartigen und fremden sowieso gefallen finde, zumindest in diesen Kuestenregionen.
12,11.02 Kalkan 36°29,18N;029°00,54E 42,1 Sm
Kapi lag hinter mir, das Wetter passte. Wenn man so alleine dahin segelt, so ist das, segeln pur. Rundumblick, Bordroutine, war da was? Den "Zurbezierger" (Fernglas) raus: Ein Mast Achteraus. Er kam naeher, geschaetzte groesse 40 Fuss. Das bedeutet: "Regatta". Mit Motor, na ja, nicht das Wahre. Dennoch fuerchte ich bis 42 Fuss unter Motor nichts, beim Segeln bei fairen Bedingungen (meinerseits) nur das kreuzen. Ich lies ihn etwas aufkommen gab Gas und hielt ihn auf Distanz. Als es um ein Cap rum ging, Kurs 90° kam der Wind aus SSW. Wie auf Kommando setzten wir beide Segel und es ging mit zirka 6-6,5 Kn dahin. Ich verlor ihn bald aus den Augen, er hatte keine Change.
Vor mir Kalkan, auf den ersten Blick: Schlimm! Die Aussenmole zweimal gebrochen. Einfahrt halbseitig abgesperrt, wegen abgebrochener Teile der Mole. Aber nach passieren der Untiefen blickt man in einen netten Hafen. Halb leer, gut so, da hat man wenigstens Platz. Die Gulets schwimmen nicht im Becken. Ueber den Winter sind sie auf den Kais abgestellt. Da stehen sie sicherer und besser als im Wasser. Nachdem ich mir so alles angesehen hatte und zurueck zum Boot ging, sah ich, wie die von mir versaegte Yacht, neben der "naja" rueckwaerts einparkte. Mit einen Hallo begruesste ich sie. Es waren Bayern mit einer 38 Bavaria, eine Frau, 3 Mann. Sie hatten ein verlegenes Schauen und kein Servus uebrig. Die Festmacher, beidseits vom Heck zum Poller und zurueck festgemacht, gerade festgebunden, da kam von vorne der Schrei: "Anker haelt nicht!" Alles auf, erneutes Manoever. Als der Anker fiel sah ich eine Verdickung an der Ankerspitze, aber nicht genau. Alles wiederholte sich, das festmachen, Leinen fest: "Anker haelt nicht". Nur dieses mal etwas gereizter "Ziehe nicht so fest mit der Winsch an!" Also wieder Anker auf und da sehe ich, eine Bierdose war an der Spitze des Ankers, na so was, aufgespiesst. Erneut das Manoever. Anker faellt, wieder rueckwaerts ran, nervoes heult der Motor auf. Ich hatte es mir inzwischen bequem gemacht, auf einen freistehenden Poller. Leinen fest, und der "Anker haelt wieder nicht" spricht fast zu leise, der Wischenmann. Alle nach vorn. Schon etwas lautere Diskussion: "Du Depp zieh nicht so fest mit der Ankerwinsch", "der Ankergrund ist ungeeignet", "laengseits liegen, es ist doch genug Platz da". "Also auf ein Neues" presst der Skipper durch die Zaehne. Schaut so schraeg zu mir rueber, finster. Es war schon ein bisschen viel fuer den Armen. Zuerst wird er versaegt und nun dies. "Noch einmal, es muss doch gehen", die Adern, schon ganz dick am Hals.
Nichts ueber meinen Platz, er war der beste, mittlerweile standen eine Gruppe deutscher Urlauber sowie etliche Tuerken herum und fachsimpelten. Die Tuerken verstand ich ja nicht, aber einen Kommentar der Deutschen habe ich noch gut im Ohr: "Hier gibt's so schoene Berge, schau, da auf den Taurus, da koennten die Bayern so schoen Kraxeln". Ja, mein Platz, war super, sozusagen in der ersten Reihe, "bei den andern haelt er doch auch" und per Handzeichen erneut das Manoever. Natuerlich hielt der Anker, eben so gut wie vor einer ¾ Stunde, nicht. Der Winschenmann, er singt es schon fast "Schaut es haelt nicht, es haelt nicht" und die Kette rasselt laut in den Kasten. Skipper: "wir legen laengsseits an" Ein Crewmitglied springt mit der am Bug befestigten Leine an Land. Er zieht am Bug, als dieser herum schwenkt sieht er endlich auch die Bierdose und schreit: "A Bier, na a Bierdosen". "Du werst warten koennen bis ma festgemacht haben". "Naah a Bierdosen is..........", "ja Kruzifix erst festmacha", "ist am Anker aufgespiesst, drum hat er nicht gehalten". Betreten fuhren sie dann ihr anfangs so oft geuebtes Manoever "Souverän" durch und verschwanden unter Deck. Schade der Einakter waere zu Ende dachte ich. Am naechsten Morgen, "Guten Morgen". Drei der vier hatten es sehr wichtig, kein aufblicken, nur einer steht da, zieht die Schultern hoch, dreht die Haende nach aussen, eine etwas hilflose Geste, er bringt aber auch kein Wort ueber die Lippen. Auf dieses Boot muss ich anheuern, aber Sie waren mir zu schnell. So schnell konnte ich nicht schauen wie Sie die Leinen los machten. Den Anker mit dem ganzen Schlamm in seine Fuehrung zogen und mit Vollgas, uns schaukelnd zurueck lassend, von dannen fuhren. Sie konnten mit diesem Speed, ihren vermeintlichen Gesichtsverlust bestimmt therapieren. Was solls, der Platz neben mir war wieder frei, fuer solche und solche.
13.11.02 Kas 36°11,9N;029°38,5E 15.2 Sm
Nur einen Sprung weiter lag der Hafen von Kas. Urspruenglich wollte ich zu der versunkenen Stadt Kekova. Aber irgendwie hatte ich einen Heisshunger auf einen Doener und der Magen stimmte fuer Kas, demokratisch wie ich nun mal bin. Sofort nach dem Anlegen suchte ich nach einen Fleischbatzen, der sich dreht. Ich fand ihn, den Doener. Er wurde nicht alt, sogleich ins Volle reinbeissend, immer wieder und wieder, einfach tierisch........... Der Bauch, war mit "unserer" Aktion voll einverstanden. Ueberhaupt, Kas stand unter dem Zeichen "Das grosse Fressen". Nicht weniger als fuenf Lokalitaeten suchte ich auf um zu speisen. Es war nicht der Kas, wie man vielleicht vermuten koennte, Namensvetter der Hafenstadt, in der ich weilte. Begierden in mir weckte, sondern der Hunger auf Fleisch, der mich auf Trab hielt. Zuletzt Fleisch jeglicher Art und ich musste am naechsten Tag schon aussergewoehnlich frueh ablegen. Einmal meinte ich: Bedienung…, der Wirt meinte mh mh… Wirtin! Na ja, was solls, da blieb ich bei meiner "naja".
14.11.02 Finike 36°17.6N;030°09E 34 Sm
Nun befand ich mich auf den Weg in den Osten. Zu frueh, die Sonne stand tief und blendete. Die Enge, den 29 m breiten Kanal Aka Bonganiz nahm ich als Abkuerzung, 4 Sm gespart, um dann 5 Sm spaeter nach Norden in eine fast geschlossene Bucht, der Kekova Reede in der die versunkene Stadt lag, zu segeln. Hoch oben thronte eine Kreuzritterburg ueber der Reede, zu ihren Fuessen, der Teil Stadt der nicht versunken war. Auf den Grundmauern, war von unqualifizierten, eine Lokalstadt zusammengestellt worden, fuer die schnelle Mark. Da hinter etliche Verschlaege in denen man im Sueden gerade noch leben konnte. Sehr traurig, wenn man sah, was die Leute vor zig Jahrhunderten, im Kleinen, architektonisch so hin gestellt hatten und heute Leute in Bretterbuden, das als Ihre Kultur verkaufen. Mit diesen Widerspruechen muss man aber nicht nur dort leben. Sarkophage standen im Wasser herum, schoen anzusehen. Irgendwie hatte ich keine Lust zu bleiben. Da verliess ich diese Reede mit so vielen Kontrasten und sah in der Ferne schon das naechste Cap. Mit einer angenehmen Brise rundete die "naja" das Bunda Cap. Das letzte Cap fuer dieses Jahr, bald darauf legte ich in der Marina Finike an. Mit der Marinaleitung wurde ich einig und so werde ich hier ueberwintern. 120 Km weiter oben im Norden liegt Antalya mit einem gut frequentierenden Flughafen.
Am 29.11.02 flog ich nach Muenchen