Segeln an der türkischen Küste, mit Roman auf der NAJA, 9. - 23.August 2003
Verfasser Harry Schönwälder

 

2 Wochen segeln, 2 Wochen entlang an der türkischen Küste, 350 Seemeilen.
Bei strahlendem Sonnenschein im August 2003 von Dalaman aus gings mit dem Taxi nach Göcek von dort über das Meer nach Kas, nach Fenike, über Kekova zurück nach Kas, über Kalkan gen Westen Richtung Marmaris, zur Möwenbucht , weiter nach Fenike und zurück nach Göcek.

Vom Wind getrieben, mit bis zu 6,8 Knoten über das Wasser, bei Flaute mit dem Motor, ankern in malerischen Buchten oder Häfen in denen das Leben bis in die tiefe Nacht pulsierte.
Ankunft in der Türkei
Es waren vom Wetter her ideale Verhältnisse, vielleicht zum Segeln des öfteren etwas wenig Wind, aber auch mit Motor konnte man das Meer und die permanent strahlende Sonne genießen. Roman hatte einige schöne idyllische Ziele ausgemacht, die wir nachdem wir uns in Göcek im Hafen getroffen hatten ansteuern wollte. Nicht weit von Göcek kurvten wir also durch die Inseln und warfen in einer kleinen Bucht den Anker aus und mit einem Tau am Ufer fest. Neben uns einige andere Boote, die ersten Eindrücke vom Seemannsleben.
Erste große Fahrt, Richtung Kas
Am nächsten Tag machten wir uns auf eine längere Fahrt, an der felsigen Küste entlang Richtung Kas. Es war später Nachmittag als wir in einer Badebucht, gegenüber von Kas, anlegten.
Auf der einen Seite eine Felswand mit alten Felsengräbern, am Kopfende die Badeplätze mit den Liegen und Sonnenschirmen und daneben ein kleines aber feines Restaurant. Praktisch an diesem Ort, wir legten am Steg an, hatten Strom und auch Wasser.
Nicht zu verachten das Essen im Restaurant, der Kellner Ramasan sprach sogar etwas deutsch und man kam über englisch und deutsch ins Gespräch.
Erste Tests mit dem Beiboot, Motor schnell, langsam, vorwärts und rückwärts, waren wichtige Übungen für die nächsten 2 Wochen.
In dieser Bucht wurden morgens mit Boottaxis Badegäste gebracht, die dann am Nachmittag wieder abgehölt wurden. Wir unternahmen zwischenzeitlich einen Ausflug mit dem Beiboot nach Kas und bummelten durch die Stadt machten ein paar Einkäufe, um für die nächsten Tage und die Fahrten versorgt zu sein. Heimathafen Fenike
Fenike der "Heimathafen" von Roman, da hat er einen Stellplatz und überwintert auch mit dem Schiff. Eine Stadt, auf einem Hügel gelegen, schon etwas größer, mit allem was man sich so vorstellt. Wir lagen am Steg, neben uns andere Segler, aber auch große Motorschiffe, diesmal aus England mit viel Personal, das pausenlos irgendetwas am Schiff machten um beschäftigt zu sein.
In diesem Hafen traf Roman einige Bekannte, die auch ihren Anlegeplatz hier hatten und so waren die Begegnungen sehr herzlich.
Ein paar Tage in diesem Hafen und in der Stadt, Urlaub mit Sightseeing.
Auf gen Westen, Kekova
Nach ein paar Ruhetagen wollten wir eigentlich schon Vormittags wieder in See stechen, aber der Wind verhinderte dies, da er uns an den Steg drückte und der Platz zum Manövrieren zu eng war. Also warteten wir auf günstige Verhältnisse, die plötzlich kamen und Roman Hals über Kopf plötzlich ablegen wollte.
Wir kamen gut los, wieder Richtung Kas, aber auf halbem Weg machten wir Station in Kekova.
Wir kamen nach Sonnenuntergang an und mußten uns mit Radar und Taschenlampe den Weg durch die felsige Einfahrt ertasten. Aber auch dies und das Ankern danach wurde bewältigt.
Die Bucht von Kekova, Ziel dann mit dem Beiboot, diesmal mit den Rudern, ins eines der 3 Restaurants, in der kleinen Hafenanlage gelegen und mit sehr gutem
Essen ausgestattet.

Hier waren die ersten Kontakte mit den vielfältigen Vorspeisen, die schon fast wie ein vollständiges Essen wirken. Musik auf vielen Schiffen, die Lichter im Hafen und Restaurants bildeten einen schönen Abend danach auf Deck. Am Morgen kam die gesamte Schönheit dieser Bucht zum Vorschein, mit den geankerten Schiffen, den alten Burgruinen am Hügel und dem klaren blauen Wasser. Ein Ausflug an Land und eine kleine Kletterpartie zur alten Burgruine verschaffte uns einen schönen Blick auf die Bucht und das Treiben der Schiffe auf dem Wasser. Am Nachmittag machte wir uns wieder auf Weg Richtung Westen, nach Kas.
Zurück in der Bucht bei Kas
In "unserer" Bucht wurden wir von den Wirtsleuten herzlich begrüßt und genossen die Schönheit der Natur. Baden, relaxen und essen waren unser Zeitvertreib.
Am zweiten Tag, es war alles ganz friedlich, bis , ja bis Roman meinte er müsse den Anker fester ziehen. Merkte aber dabei nicht, daß er den Anker löste. Das Boot trieb also ohne Anker an den Steg, auf ein Boot zu, daß zwischen dem Steg und der NAJA unter Druck zu geraten drohte.
Ein paar Rufe und dann große Hektik. Seile los und das Stromkabel war auch noch verlegt, der Motor mußte angeworfen werden und wir mußten wieder in die Bucht zum Anker setzen fahren.
Es funktionierte alles, der Anker wurde neu gesetzt und das Boot vertaut. Nachdem wieder alles geregelt war genehmigten wir uns im Restaurant ein kühles Bier, nebenbei kamen natürlich die Fragen der anderen Gäste, die unsere Manöver interessiert beobachtet hatten. Peinlich, wenn der Käptain einfach den Anker lichtet ohne die Leinen zu lösen.
Kalkan
Bei starkem Wind und etwas größeren Wellen machten wir uns, einen Tag später wieder auf den Weg mit Zwischenstation in der Bucht von Kalkan.
Wieder malerisch gelegen, mit 3 Restaurants und grobkörnigem Strand. Wir nahmen also das Beiboot warfen den Motor an und fuhren zum Strand um einen Drink zu nehmen.
Ich hatte aber meinen Foto vergessen und nahm das Beiboot zum Schiff. Auf halbem Weg, an anderen Schiffen vorbei, ging der Motor aus und ließ sich nicht mehr starten. Also nahm ich die Ruder und versuchte auf direktem Weg zum Schiff zu rudern, unter den beobachtenden Augen der Segler ringsrum. Am Schiff
angekommen versuchte ich den Motor nochmals und plötzlich lief er wieder. Kurz den Foto vom Schiff geholt und ich stach wieder mit dem Schlauchboot mit Motor in Rich tung Strand.
Und wieder ging der Motor aus, also wieder rudern, man gibt sich ja keine Blöße, doch nach ein paar Metern brach die Halterung vom Paddel. Also mußte es mit einem Ruder gehen, was auch klappte. Da auch Roman meine Bemühungen an Land beobachtete und auch schon am Strand wartete, war ein Kommentar von ihm zu erwarten. "Du mußt den Benzinhahn öffnen, wenn Du fahren willst", war die einfache Lösung für alle Probleme.



Nun ja es wurde trotzdem ein ruhiger schöner Abend, wir aßen, waren die einzigen Gäste in diesem Lokal, in den anderen war wesentlich mehr los, aber wir speisten sehr gut. Der Abend und die Nacht in dieser Bucht waren angenehm und nach einem erfrischenden Bad am nächsten Tag starteten wir zur großen Fahrt, eine Nachtfahrt Richtung Marmaris.
Nachtfahrt, 26 Stunden unterwegs
Marmaris liegt auf einer großen Halbinsel, quer durch die Bucht. Der Weg würde an Rhodos vorbeiführen, einer griechischen Insel, und wir würden erst am nächsten Tag vormittags oder mittags eintreffen.

Es war ein frischer Wind und wir fuhren, vollbesegelt erst an der Küste entlang. Ein großer Felsen fiel uns dabei besonders auf, er sah aus wie eine liegende Frau und zum Meer hin war auch noch eine große Höhle,
Wir drehten ab und nahmen den günstigen Wind Richtung Nord West. Der Tag neigte sich, die Sonne ging über dem Meer unter und es wurde Nacht. Wider erwarten war es trotz Nacht nicht stockdunkel, es war alles gut zu erkennen und meine Bedenken zerstreuten sich.
Der Weg, den wir eingeschlagen hatten führte also raus aus türkischen Gewässern, hinein in griechische Gewässer.

 


Wenn, ja wenn nicht gegen 23.30 h auf dem Radar hinter uns ein Schiff auftauchte, das einzige weit und breit, und direkt auf uns zuhielt. Mit dem Fernglas machten wir ein größeres Schiff aus, das mindestens 50m lang sein mußte, nach der Beleuchtung zu schließen. Es war wahrscheinlich ein Marineboot der Küs tenwache. Als sie bis auf 4 Seemeilen rangekommen waren, drehten wir bei und änderten den Kurs in Richtung Türkei. Sie ließen von uns ab und jedesmal, wenn wir kreuzten, tauchten sie wieder auf.
Es gesellte sich sogar noch ein zwei- tes Schiff hinzu, die uns die gesamte Nacht eskortierten. Somit waren wir permanent angespannt und kamen so kaum zum Schlafen. Wir machten durch das Kreuzen zwischen 2 und 2,7 Seemeilen, kamen also nur gemütlich vorwärts.

Die Nacht verging, jeder hatte nur ca eine knappe Stunde geschlafen und die See wurde mit Tagesanbruch wieder rauer und wir fuhren mit Motor nach Marmaris. Gegen 13h erreichten wir die Stadt und ankerten im Hafen. 26 Stunden unterwegs, müde und hungrig. Also fuhren also mit dem Beiboot in die Stadt, legten an und Roman stellte fest er hat keine Schuhe an. Es war wieder ein heißer Tag, die Straßen waren aufgeheizt und Roman lief wie auf Kohlen. Also mußten erst mal Schuhe gekauft werden, bevor wir etwas essen und trinken konnten.

 

 

Es war eine mittlere Hafenstadt in einer Bucht gelegen mit vielen touristischen Aktionen. Viele Schiffe hatten an den Stegen im Hafen festgemacht und es war ein prächtiger Anblick. Nachts kamen noch die verschiedensten musikalischen Untermalungen aus den Restaurants, die Lichter der Hotels, Straßen und Schiffe sorgten für ein eindrucksvolles Bild von unserem Schiff aus. Es war Leben in dieser Stadt, das sich bis spät in die Nacht fort- setzte und für Stimmung sorgte.
Wir erholten uns und ließen die Seele baumeln, ein paar Tage Ruhe, wir hatten es nötig. Immer wieder nutzten wir die Zeit um zur Stadt zu fahren und sie zu erkunden. Nach ein paar Tagen setzten wir uns wieder in Bewegung um zur großen Bucht in der Göcek und auch unser nächstes größeres Ziel Fethiye war.
Auf dem Weg dorthin kehrten wir noch in der Möwenbucht ein, eine Bucht an dessen Strand eine große Möwe gezeichnet ist, mit einem sehr kleinen Restaurant und vielen ruhigen Plätzen.

 

Die Möwenbucht
Wir fuhren also zwischen den Inseln zur Bucht, voll besegelt und mit 6,5 Knoten. Roman zeigte sich und sein Schiff und holte erst, schon von der Bucht aus sichtbar, sehr spät seine Segel ein. Wir fanden ein ruhiges Plätzchen und begaben uns in dieses Pseudorestaurant, mit Petroleumleuchten und einem Steinhaufen, der als Grill benutzt wurde. Für diesen Luxus wurden wir auch noch mit einer überhöhten Rechnung bedient, die uns am nächsten Tag veranlaßte, ein anderes, noch teureres wirkliches Lokal aufzusuchen.

Wir speisten dort, auf der Rückseite unserer Halbinsel, in einer Bucht mit 10-12 hochkarätigen Jachten, einen Octopussalat für jeweils 10 Millionen Lira, es war das günstigste auf der Speisekarte. Wir genossen die Bucht 2 Tage um weiterzufahren nach Fethiye.

Hals über Kopf nach Fethiye
Es war 7 Uhr in der früh, als Roman wieder einmal unerwartet agierte. Mit lautem Getöse der Ankerkette, noch vor dem Frühstück, wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Er hatte beschlossen abzufahren und den Tag zu nützen. Alles schön und gut, aber wer will schon so aus seinen Träumen gerissen werden. Bei ruhigem Wind legten wir die Strecke in 4 Stunden zurück und ankerten im Hafen der Stadt, neben einigen anderen Schiffen, 220m von der Mohle entfernt.

Ein Ausflug in die Stadt, mit dem Beiboot an die Mohle, wir wollten frühstücken und uns Obst und Getränke kaufen. Diesmal hatte auch Roman seine Schuhe dabei und es war schöner Ausflug. Doch da war einer, der unser Anliegeplatz an der Mohle störte und uns in den Boden des Beiboot ein Loch stach. Ärgerlich und irgendwie entschlossen wir uns weiterzufahren, zum Endziel Göcek, was nur 3 Stunden entfernt war.

Zurück in Göcek
Noch vor dem Abend erreichten wir den Hafen und legten am Steg an, direkt vor den Hafenrestaurants, mitten im Geschehen.
2 Tage in Göcek, 2 Tage vor der Heimreise. Göcek eine kleine Stadt mit einem etwas größer ausgebautem Hafen und vielen Restaurants. Die Stadt hatte eine Hauptstraße mit vielen Lokalen und eine große breite Hafenstraße. Große und kleine Schiffe lagen da und wir dabei in vorderster Front.
Es dauerte nicht lange und man begrüßte uns im vorbeigehen, ein gutes Lokal hatten wir auch ausgemacht mit vorzüglichem Essen und auch preislich günstig, zwischen 25 und 30 Millionen für unsere Mahlzeiten.

Kultureller Höhepunkt unseres Aufenthaltes war zufällig eine Hochzeit, die am großen Versammlungsplatz von Göcek gefeiert wurde und wir hineingerieten.

Am Samstag, 23.8., um 5.30h war der Segelturn beendet. Für diese Zeit war das Taxi zum Flughafen Dalaman bestellt, also hieß es früh aufstehen.

Die Abfahrt und Ankunft klappte bestens , aber dann hatte der Flieger eine Verzögerung und so konnte ich erst 1,5 Stunden Verspätung zum Rückflug starten.

14 Tage mit Roman beim Segeln, auf engem Raum, die meiste Zeit auf dem Wasser. Kaum war man wieder am Land, versuchte ich das Schaukeln, das immer noch in den Beinen war auszugleichen, ein Seefahrersyndrom. Es war erholsam, die Fahrten und besonders die Ruhetage, relaxen und den Gedanken nachhängen. Trotz der hohen Temperaturen wehte immer ein erfrischender Wind über das Schiff und machte es angenehm.

Vorkommnisse, Kurioses
Doch da war noch die Sache mit dem Anker. Fährt man in einen Hafen und wirft den Anker, dann muß dieser auf den Grund kommen, einhaken und erst dann legt sich die Kette am Grund entlang, während das Schiff rückwärts fährt, wieder zum Schiff hoch.
So, Roman am Steuer, ich an der Kette. Roman gibt das Zeichen, wann die Kette raus soll. Ich soll beobachten wann die Kette den Grund erreicht, das Runterlassen stoppen, bis der Anker sich festhakt und dann die restliche Kette runterlassen.
Jetzt wollte Roman aber, daß ich Blickkontakt mit ihm halte, ihm Bescheid sage, wann er festhakt, schaue wieviel Kette rausgelaufen ist, an Hand der roten Markierungen könnte man dies feststellen, wenn man die schnell herauslaufende Kette immer beobachtet und zugleich Sichtkontakt mit Roman hält. "Das ist alles ganz einfach", meint Roman, "du hast doch 2 Augen".
Bis auf einmal, als Roman den Anker wieder löste, war der Anker immer fest im Grund und wir waren sicher. Es ist also ganz einfach, wenn man alle Anweisungen vom Roman beachtet.